Die Ethik von Jugendlichen auf Social Media

Forschungsfrage: Welche ethischen Maßstäbe legen Jugendliche auf Social Media an und wie konsequent setzen sie diese um?

Forschungswerkstatt: „Medienbildung und Schulentwicklung. Methoden und Konzepte auf dem Prüfstand“ 2024/25 – Andreas Hedrich

Autor*innen: Janina Lüdemann, Ilir Mirena und Philip Saffari

Zusammenfassung: Durch den sicheren Zugang von Jugendlichen zu Social Media, werden Jugendliche über Konsument*innen hinaus auch zu potenziellen Produzent*innen. Studien zeigen, dass sich die Werte von Jugendlichen aber nicht konsequent mit ihren Handlungen auf Social Media überschneiden. Es tut sich die Frage auf, welche ethischen Maßstäbe sie dafür anlegen und wie konsequent sie diese umsetzen. Ergebnisse unserer Forschung könnten dafür genutzt werden, Schulen, die ohnehin einen Auftrag zur Moralerziehung für die Kinder und Jugendlichen haben, eine Orientierung zu bieten und sie bei der kritischen Reflexion und Umsetzung ihrer Werte zu unterstützen.

Methode: Die vorliegende Forschung untersucht die ethischen Maßstäbe Jugendlicher in sozialen Netzwerken im Vergleich zum realen Leben. Aufgrund der explorativen Fragestellung wurde eine qualitative Methodik gewählt, insbesondere leitfadengestützte Interviews mit sieben Schüler*innen der Jahrgangsstufen 9 und 10 aus vier verschiedenen Schulen.

Die Interviews folgten einem strukturierten Leitfaden, der Themen wie die Nutzung sozialer Netzwerke, Reaktionen auf kontroverse Inhalte, Selbstdarstellung und ethische Regeln in digitalen Räumen umfasste. Um authentische Reaktionen zu erfassen, wurden den Teilnehmenden reale Social-Media-Posts vorgelegt.

Für die Analyse wurde die qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz angewendet. Dabei wurden die Interviews transkribiert, thematisch kodiert und in Haupt- und Subkategorien geordnet. Die induktive Vorgehensweise erwies sich als besonders vorteilhaft, da sie neue Erkenntnisse über die Reflexion der Jugendlichen zu ihrem eigenen Online-Verhalten ermöglichte. Diese Codierung geschah mit dem Programm MaxQDA.

Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass Jugendliche auf Social Media vor allem diejenigen Inhalte kritisieren, die Rassismus, Sexismus, Ableismus, Gewaltverherrlichung, Beleidigungen, Hassrede, Mobbing, Bodyshaming oder Desinformationen enthalten und wünschen sich, dass diese Inhalte nicht auf Social Media hochgeladen werden dürfen bzw. entfernt werden, wenn sie bereits hochgeladen sind. Die für Social Media geltend gemachten Werte der Jugendlichen stimmen mit den Werten überein, welche sie in der analogen Welt vertreten.

Bei der Untersuchung der Frage, wie konsequent die befragten Jugendlichen bei Nutzung von Social Media ihre ethischen Maßstäbe umsetzen, ergab sich eine Diskrepanz zwischen real life und Onlineverhalten. Bei Verstößen gegen ihre eigenen Werte und Normen in der analogen Welt, setzen Jugendliche ihre Maßstäbe öfter in Handlungen um als auf Social Media. Als Grund dafür, dass die Jugendlichen auf Social Media in weniger Fällen für ihre Werte einstehen und diese gegen Verstöße verteidigen, konnte ein geringes Gefühl von Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit im digitalen Raum festgestellt werden.