Forschungswerkstatt: „Medienbildung und Schulentwicklung. Methoden und Konzepte auf dem Prüfstand“ 2024/25 – Andreas Hedrich
Autor*innen: Lena Feldsien & Nando Schmidt
Zusammenfassung: Die Forschungsarbeit untersucht den Einfluss von Online-Peergroups auf Instagram im Vergleich zu realen Peergroups auf Jugendliche. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie stark soziale Medien, insbesondere Instagram, das Selbstbild, die sozialen Normen und das allgemeine Wohlbefinden Jugendlicher prägen. Dabei wird Instagram als visuell geprägte Plattform betrachtet, die durch algorithmisch gesteuerte Inhalte neue Formen sozialer Interaktion ermöglicht. Die Autor:innen beleuchten, wie sich diese digitalen Interaktionen von klassischen face-to-face-Beziehungen unterscheiden und welche Bedeutung sie in der Adoleszenz für die Identitätsbildung haben. Grundlage der Arbeit ist ein Mixed-Methods-Ansatz, der sowohl quantitative als auch qualitative Erhebungsmethoden kombiniert. Ziel ist es, nicht nur die Nutzungsformen, sondern auch die sozialen Mechanismen hinter dem Instagram-Gebrauch zu analysieren. Die Arbeit setzt sich dabei mit theoretischen Modellen der Identitätsentwicklung auseinander. Zudem werden Peer-Groups in ihrer Funktion als soziale Bezugsgruppen reflektiert – sowohl im digitalen als auch im analogen Raum. Im Fokus steht die Frage, ob Online-Peergroups neue normative Einflüsse schaffen, die über jene klassischer Peergroups hinausgehen. Die Forschungsarbeit leistet damit einen Beitrag zur Diskussion über die Rolle sozialer Medien in der Sozialisation Jugendlicher.
Methode: Die Methodik der Forschungsarbeit basiert auf einem Mixed-Methods-Ansatz, der quantitative und qualitative Verfahren kombiniert. Für den quantitativen Teil wurde eine anonyme digitale Umfrage an einer Schule durchgeführt. Dabei wurden 53 Schüler:innen im Alter von 10 bis 20 Jahren zu ihrem Instagram-Nutzungsverhalten, sozialen Vergleichen, emotionalen Reaktionen und ihrem Selbstbild befragt. Ergänzend wurden vier leitfadengestützte Interviews mit Jugendlichen im Alter von 16 bis 19 Jahren geführt. Diese qualitativen Interviews ermöglichten tiefere Einblicke in persönliche Erfahrungen, Motive und Wahrnehmungen im Umgang mit Instagram. Durch die Verbindung beider Methoden wurde eine methodische Triangulation angestrebt, um die Aussagekraft und Validität der Ergebnisse zu erhöhen. Ziel war es, sowohl statistisch erfassbare Muster als auch individuelle Perspektiven auf das Forschungsthema sichtbar zu machen.
Ergebnisse: Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung zeigen, dass Instagram das Selbstbild und das Verhalten vieler Jugendlicher beeinflusst, jedoch reale Freundschaften für die meisten eine wichtigere Rolle spielen. Etwa 47 % der Befragten gaben an, dass sich ihr Verhalten oder ihre Kleidung durch Instagram verändert hat. 65 % fühlen sich durch Beiträge anderer zumindest ein wenig beeinflusst, während 33 % nach der Nutzung gelegentlich Unzufriedenheit mit sich selbst empfinden. Der soziale Vergleich ist verbreitet: 53 % vergleichen sich mit anderen auf Instagram, 16 % sogar häufig.
Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass emotionale Unterstützung und Akzeptanz vor allem aus dem realen sozialen Umfeld kommen. 98 % der Befragten fühlen sich in ihrer Freundesgruppe akzeptiert, und 93 % geben an, dass ihnen Freund:innen in schwierigen Momenten beistehen. Nur 5 % empfinden Instagram als einen Ort, an dem sie sich authentisch ausdrücken können – dem gegenüber stehen 95 %, die sich im realen Freundeskreis wohler fühlen.
Obwohl 41 % angeben, dass Instagram ihnen manchmal hilft, wenn sie traurig oder gestresst sind, berichten 50 % von negativen Gefühlen nach längerer Nutzung. Die Plattform wird somit ambivalent erlebt: als Möglichkeit zur Ablenkung und Inspiration, aber auch als Quelle von Druck und Unzufriedenheit. 20 % empfinden gelegentlich Druck, bestimmte Inhalte posten zu müssen. Dennoch geben 98 % an, stärker von realen Freund:innen als von Instagram beeinflusst zu werden.
Die Interviews bestätigen diese Tendenzen: Jugendliche berichten dort von verändertem Verhalten durch Instagram, insbesondere bei Kleidung und Auftreten, und von Gefühlen der Unsicherheit, wenn die erhoffte Rückmeldung auf Beiträge ausbleibt. Gleichzeitig wird der emotionale Rückhalt durch Freund:innen betont, ebenso wie die stärkere Verankerung des Selbstwertgefühls im realen sozialen Umfeld.