Künstliche Intelligenz im Politikunterricht – Chance oder Risiko?

Forschungsfrage: Inwiefern kann Künstliche Intelligenz (KI) im Politikunterricht eingesetzt werden und wie wird ihr Einsatz von Lehrkräften, Studierenden und Schüler*innen bewertet?

Forschungswerkstatt: „Medienbildung im Fachunterricht. Games, Tools und Medienkompetenz“ 2024/25 – Andreas Hedrich

Autor*innen: Dogukan Sakir Alpagut, Fidan Kocaoglu, Nils Hienz

Zusammenfassung:

Künstliche Intelligenz gewinnt auch im Bildungsbereich zunehmend an Bedeutung – insbesondere im Politikunterricht. Unsere Forschung untersucht, wie KI dort eingesetzt wird und wie Lehrkräfte, Studierende und Schüler*innen diesen Einsatz bewerten.

Dabei zeigt sich folgendes: KI wird bereits vielfach genutzt, wie z.B. zur Unterrichtsvorbereitung, Materialerstellung oder für Hausaufgaben. Lehrkräfte schätzen die Unterstützung, äußern aber auch Bedenken hinsichtlich der Eigenleistung und Meinungsbildung der Schülerinnen. Studierende sehen vor allem den praktischen Nutzen, reflektieren aber auch Risiken. Schülerinnen nutzen KI eher unkritisch und funktional.

Insgesamt offenbart die Studie sowohl Potenziale als auch Herausforderungen: KI kann Lernprozesse unterstützen, ersetzt aber nicht das eigenständige Denken. Eine pädagogisch durchdachte Integration ist daher zentral.

Methode:

Für die Untersuchung wählten wir einen qualitativen Ansatz. Über das Online-Tool LimeSurvey führten wir eine Umfrage mit sieben offenen Fragen durch, an der 17 Personen teilnahmen: Lehrkräfte, Studierende und Schüler*innen.

Ziel war es, persönliche Einschätzungen und Erfahrungen zu erfassen. Die Auswertung erfolgte anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring. Dabei wurden die Antworten systematisch kategorisiert, um Gemeinsamkeiten, Unterschiede und zentrale Themen sichtbar zu machen.

Dieses Vorgehen ermöglichte uns einen tiefen Einblick in die Perspektiven der drei Gruppen und lieferte praxisnahe Erkenntnisse für den Einsatz von KI im Politikunterricht.

Ergebnisse:

Erfahrungen und Nutzung: Lehrkräfte und Studierende nutzen KI vorrangig zur Unterrichtsvorbereitung (z. B. zur Erstellung von Aufgaben oder Klausuren), während Schülerinnen KI eher zur Bearbeitung von Hausaufgaben oder zur Informationssuche einsetzen. Einige Lehrkräfte sehen den Einsatz von KI kritisch, da Schülerinnen Inhalte oft unreflektiert übernehmen.

Unterstützung: Alle Gruppen erkennen die zeitsparenden Vorteile von KI. Besonders Studierende und Lehrkräfte profitieren von der schnellen Generierung von Ideen und Materialien. Schüler*innen schätzen die Vereinfachung komplexer Inhalte.

Effektivität: Während KI als hilfreiches Werkzeug zur Automatisierung von Aufgaben gilt, wird sie nicht als Ersatz für eigenständiges Denken gesehen. Kritisch betrachtet wird, dass KI bei intensiver Nutzung die Entwicklung grundlegender Kompetenzen wie Recherchefähigkeit beeinträchtigen könnte.

Herausforderungen: Zentrale Herausforderungen sind mögliche Meinungsmanipulation, oberflächliches Lernen sowie die Gefahr eines unkritischen Umgangs mit KI-generierten Inhalten. Lehrkräfte befürchten außerdem eine Ungleichbehandlung zwischen Schüler*innen, die KI nutzen, und jenen, die bewusst darauf verzichten.

Persönliche Einstellungen: Studierende und Schüler*innen stehen KI eher positiv gegenüber, während Lehrkräfte eine kritischere Haltung einnehmen. Alle Gruppen betonen jedoch die Notwendigkeit eines reflektierten Umgangs mit KI.

Zukunftsausblick: Die Befragten sind sich einig: KI wird zukünftig eine zentrale Rolle im Bildungswesen spielen. Chancen sehen sie vor allem in der Individualisierung von Lernprozessen. Gleichzeitig mahnen sie eine bewusste Integration an, um Eigenständigkeit und kritisches Denken zu bewahren.

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