Leistungskontrolle im Wandel: Eine qualitative Untersuchung zur Perspektive von Lehrkräften auf Klassenarbeiten und alternative Prüfungsformate in Musik und Geschichte

Forschungsfrage:

  • Inwieweit ist die traditionelle Klassenarbeit im Fach Musik bzw. Geschichte noch ein geeignetes Mittel zur Leistungskontrolle?
  • Welche alternativen Bewertungsmethoden existieren und wie werden sie von Lehrkräften wahrgenommen?
  • Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der Gestaltung moderner Prüfungsformate?

Forschungswerkstatt: „Medienbildung im Fachunterricht. Games, Tools und Medienkompetenz“ 2024/25 – Andreas Hedrich

Autor*innen: Noara Bilalli, Leonie Günther

Zusammenfassung: Ein Balanceakt zwischen Tradition und Innovation

Die klassische Klassenarbeit wird nicht von heute auf morgen verschwinden.  Die Zukunft liegt in einem hybriden Modell, das traditionelle Prüfungen mit kreativen und digitalen Ansätzen kombiniert.

Es ist an der Zeit, Schüler*innen nicht nur Wissen abzufragen, sondern ihnen beizubringen, es anzuwenden, zu hinterfragen und sinnvoll zu nutzen. Dafür brauchen wir innovative Prüfungsformate, die den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden.

Methode: Interviews an zwei verschiedenen Schulformen (Gymnasium und Stadtteilschule

Ergebnisse: Digitale Bildung, alte Prüfungen- Klassenarbeiten bald am Ende?!

In einer Welt, die sich immer schneller digitalisiert und Bildungssysteme vor neuen Herausforderungen stellt, steht auch die Art und Weise, wie wir Leistung messen, auf dem Prüfstand. Auch in den Fächern Musik und Geschichte stellt sich die Frage: Ist die traditionelle Klassenarbeit noch ein angemessenes Mittel zur Bewertung von Leistung oder brauchen wir innovative Alternativen? Können wir Leistung nicht auch anders messen – kreativer, digitaler, praxisnaher?

Ein aktueller Forschungsbericht untersucht genau diese Frage und liefert spannende Einblicke in die Perspektiven von unterschiedlichen Lehrkräften. Dabei wird schnell klar: Die Meinungen gehen auseinander, doch ein Wandel ist unvermeidlich.

Klassenarbeiten: Überholt oder unersetzbar?

Der klassische Ablauf ist bekannt: Klassenarbeiten werden geschrieben, das zuvor erlernte Wissen reproduziert, benotet – und anschließend häufig wieder vergessen. Inzwischen stellt sich jedoch zunehmend die Frage, ob reine Wissensabfragen den Anforderungen moderner Bildung noch gerecht werden. Lehrkräfte stehen vor der Herausforderung, dass solche Prüfungsformate nicht mehr die Kompetenzen abbilden, die Schüler*innen im digitalen Zeitalter benötigen. Während im Geschichtsunterricht die Analyse historischer Zusammenhänge und der kritische Umgang mit Quellen im Mittelpunkt stehen, liegt der Fokus im Musikunterricht oft auf Kreativität und Ausdruck – Aspekte, die sich nur schwer in standardisierte Prüfungsformate integrieren lassen. Es bedarf daher flexiblerer Prüfungsformate, die nicht nur Wissen, sondern auch dessen Anwendung und Reflexion erfassen.

Alternative Prüfungsformate: Ein Blick in die Zukunft

Viele Lehrkräfte nutzen bereits alternative Formen der Leistungsbewertung. Im Fach Musik zählen dazu beispielsweise Projektarbeiten, Band- und Filmmusikproduktionen oder die Erstellung von Podcasts. Solche Formate fördern sowohl die kreative als auch die selbstständige Arbeitsweise der Schüler*innen.

Auch im Geschichtsunterricht werden zunehmend neue Wege beschritten. Anstelle reiner Wissensabfragen setzen einige Lehrkräfte auf multiperspektivische Analysen und die Interpretation historischer Quellen. Dadurch erhalten Schülerinnen die Gelegenheit, historische Ereignisse reflektiert und differenziert zu bewerten, anstatt sich auf das Auswendiglernen und kurzfristige Reproduzieren von Daten zu beschränken.

Digitale Möglichkeiten: Freund oder Feind?

Die Digitalisierung spielt in der Diskussion um moderne Prüfungsformate eine zentrale Rolle. Lehrkräfte fordern eine stärkere Integration digitaler Medien, um den Schüler*innen eine realitätsnahe Prüfungssituation zu ermöglichen. Open-Book-Klausuren, Online-Recherchen und interaktive Tests könnten den Fokus auf Problemlösung statt Auswendiglernen verändern.

Doch hier besteht auch Skepsis: Wie lässt sich sicherstellen, dass Schüler*innen nicht einfach nur Informationen aus dem Internet kopieren, sondern diese tatsächlich verstehen und anwenden? Die Herausforderung ist, Prüfungsformate so zu gestalten, dass sie digitale Tools nutzen, aber trotzdem echtes Denken erfordern.

Das Fazit: Ein Balanceakt zwischen Tradition und Innovation

Die klassische Klassenarbeit wird nicht von heute auf morgen verschwinden.  Die Zukunft liegt in einem hybriden Modell, das traditionelle Prüfungen mit kreativen und digitalen Ansätzen kombiniert.

Es ist an der Zeit, Schüler*innen nicht nur Wissen abzufragen, sondern ihnen beizubringen, es anzuwenden, zu hinterfragen und sinnvoll zu nutzen. Dafür brauchen wir innovative Prüfungsformate, die den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden.