Eine empirische Untersuchung zur digitalen Spaltung im Bildungssystem und den Herausforderungen für eine gerechte Teilhabe
Forschungsfrage: Wie transformiert die Digitalisierung die Bildungsprozesse und welche Implikationen hat dies für die Lernbedingungen und die Bildungsgerechtigkeit?
Forschungswerkstatt: „Medienbildung und Schulentwicklung. Methoden und Konzepte auf dem Prüfstand“ 2024/25 – Andreas Hedrich
Autor*innen: Tunahan Zozik, Emin Sekertag, Faizal Fakhri
Zusammenfassung: Die Digitalisierung verspricht mehr Teilhabe, bessere Lernbedingungen und moderne Bildung – doch was passiert, wenn nicht alle Schüler:innen dieselben Voraussetzungen mitbringen? Unsere qualitative Studie zeigt: Digitale Technologien können Bildungschancen verbessern, aber auch soziale Ungleichheiten verschärfen. Basierend auf Experteninterviews werfen wir einen kritischen Blick auf die Realität an Schulen, die Rolle von Eltern und Lehrkräften sowie die strukturellen Hürden auf dem Weg zu gerechter digitaler Bildung. Die Forschungsarbeit zeigt, wo es hakt – und was sich ändern muss.
Methode: Um ein realistisches Bild der digitalen Bildungsgerechtigkeit zu erhalten, haben wir qualitative Interviews mit fünf Expert:innen aus Schule, Wissenschaft und Bildungsforschung geführt. Im Zentrum standen dabei leitfadengestützte Gespräche zu zentralen Aspekten wie Zugang, Nutzung und Wirkung digitaler Bildungsangebote im Kontext sozialer Ungleichheit. Die Auswertung erfolgte anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring. So konnten wir zentrale Themen und Herausforderungen herausarbeiten – direkt aus der Praxis und mit wissenschaftlicher Tiefe.
Ergebnisse: Die Interviews zeigen deutlich: Digitalisierung allein führt nicht automatisch zu mehr Bildungsgerechtigkeit. Vielmehr verstärken ungleiche Zugänge zu Geräten, Internet und Unterstützung bestehende soziale Ungleichheiten. Besonders Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien sind durch fehlende technische Ausstattung und geringe medienpädagogische Unterstützung benachteiligt. Gleichzeitig wurde die zentrale Rolle der Lehrkräfte hervorgehoben – ihre Haltung zur Digitalisierung, ihre didaktische Kompetenz und die Qualität ihrer Ausbildung sind entscheidend für eine gelingende Integration digitaler Medien. Auch die Eltern spielen eine Schlüsselrolle, insbesondere im Hinblick auf Mediennutzung, Unterstützung und Vorbildfunktion. Auffällig war zudem: Viele Schulen verfügen noch immer über unzureichende Infrastruktur und keine konsistente Strategie im Umgang mit digitalen Medien.