Forschungsfrage: Welche Voraussetzungen und Ressourcen sind notwendig, um den
Einsatz von Apps im Geographieunterricht erfolgreich umzusetzen?

Forschungswerkstatt: „Medienbildung und Schulentwicklung. Methoden und Konzepte auf dem Prüfstand“ 2023/24 – Andreas Hedrich

Autor*innen: Jakob Borggrefe, Sümeyra Süzen, Jana Lisner, Katja Kolubeloa

Zusammenfassung: Die Einbindung digitaler Medien in den Unterricht ist in den Bildungsplänen Hamburgs fest verankert. Doch wie offen sind Geographie-Lehrkräfte in Hamburg dafür, Apps in ihren Unterricht zu integrieren? Bisherige Forschung hat die Sichtweise der Lehrkräfte kaum berücksichtigt. Deshalb haben wir in unserem Forschungsprojekt die Bereitschaft der Lehrkräfte zur Nutzung digitaler Tools untersucht. Wir haben nicht nur ihre allgemeine Offenheit und Erfahrungen mit Apps erfasst, sondern auch ihre Bereitschaft, sich weiterzubilden, sowie die Potenziale und Herausforderungen für den Einsatz von Apps im Geographieunterricht.

Methode: Um Daten zu sammeln, wurden insgesamt Sieben halbstrukturierte Interviews an vier Hamburger Schulen durchgeführt. Die Interviews umfassten insgesamt 11 Fragen. Dabei handelt es sich um Fachexperteninterviews mit Geographie-Lehrkräften, die anschließend analysiert wurden. Fachexperteninterviews werden in der qualitativen Forschung eingesetzt. Hierbei werden Personen aufgrund ihres Expertenstatus befragt. Diese Experten verfügen über spezialisiertes Wissen und oft auch über institutionelle Entscheidungskompetenzen (vgl. Ludwig-Mayerhofer, 2011).

Ergebnisse: Die Analyse der erhobenen Daten verdeutlichte die generelle Offenheit der Geografie-Lehrkräfte gegenüber dem Einsatz von Apps im Unterricht. Dies wurde sowohl durch die Praxiserfahrung, da sechs von sieben befragten Lehrkräften bereits Apps in ihrem Unterricht einsetzen, als auch durch das deutliche Interesse an einer verstärkten Nutzung von Apps im Geografieunterricht belegt.
Jedoch zeigten sich Unterschiede in den Einstellungen der Lehrkräfte zu verschiedenen Aspekten der App-Nutzung. Während einige Lehrkräfte unsicher waren über ihr eigenes Wissen im Umgang mit Apps und deren Effektivität zur Vermittlung von Unterrichtsinhalten, äußerten andere positive Meinungen darüber, wie Apps mit traditionellen analogen Lehrmethoden kombiniert werden könnten, um einen abwechslungsreichen Unterricht zu gestalten.
Im Kontext der Bedenken zur Nutzung von Apps wurden verschiedene Anliegen seitens der Lehrkräfte hervorgehoben. Besonders betont wurden Bedenken bezüglich des Datenschutzes und der Sicherheit von Schülerdaten. Zusätzlich wurden Herausforderungen wie die unzureichende technische Ausstattung der Schulen, der Mangel an spezifischem Wissen über die verfügbaren Apps sowie zeitliche Einschränkungen als potenzielle Hindernisse für eine umfassende Integration von Apps in den Unterricht identifiziert.
Die erfolgreiche Nutzung von Apps im Geografieunterricht erfordert daher eine sorgfältige Planung und die Berücksichtigung mehrerer Schlüsselfaktoren. Dazu gehören effizientes Zeitmanagement aufgrund des erhöhten Zeitaufwands, die Sicherstellung eines pädagogischen Mehrwerts jenseits der reinen Motivation, gezielte Fortbildungen für Lehrkräfte sowie eine adäquate technische Ausstattung der Schulen. Es ist auch wichtig, Schullizenzen zu berücksichtigen und Datenschutzaspekte zu beachten, während die Kosten für Schullizenzen und mögliche zusätzliche Ressourcen in die Planung einbezogen werden müssen, um eine nachhaltige Integration von Apps in den Unterricht zu ermöglichen.

Literatur:
Ludwig-Mayerhofer, W., Ilmes (2011): Zitiert von Internetquelle [Experteninterview] in
ILMES-internet-lexikon der Methoden der empirischen Sozialforschung. http://
wlm.userweb.mwn.de/Il-mes/ilm_e22.htm. Zugang: 09.08.2023.

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