Wie wird die affektive Dimension des Lehrens von den Lehrer*innen verstanden und gepflegt? Wie bauen Lehrer*innen ihre Online-Präsenz auf, damit diese nicht nur didaktisch wirkt, sondern auch soziale und affektive Bindungen fördert? Wie werden sie dazu von der Schule unterstützt?

Forschungswerkstatt: „Medienbildung und Schulentwicklung. Methoden und Konzepte auf dem Prüfstand“ 2020/21 – Andreas Hedrich

Autor*innen: Virginie Tresemer

Zusammenfassung: Während des Fernunterrichts im Frühjahr 2020 haben sich die Bedingungen des Lernens tief geändert und neben verschiedenen Defiziten haben auch viele Schüler*innen den Kontakt mit den Lehrpersonen abgebrochen. Daher kann man sich fragen, was eigentlich die Schüler*innen motiviert, sich an dem Unterricht zu beteiligen, und an erster Stelle, wie sie durch die Lehrkraft mit dem Unterricht verbunden werden. Diese Untersuchung erforscht die Qualität des Kontakts Lehrer*innen-Schüler*innen aus der Perspektive der Lehrer*innen.

Methode: Acht Lehrer*innen aus verschiedenen Fächern, Schularten und Lernkulturen haben an unserer teilstandardisierten qualitativen Befragung teilgenommen. Weil die angesprochenen Erfahrungen zum Teil noch zu vergegenständlichen sind und persönliche Einstellungen über Sozialisierung betreffen, haben wir mit ihnen eine schriftliche Leitfadeninterview per E-Mail in zwei Phasen geführt, um mehr Reflexionsraum zu lassen. Die Teilnehmer*innen arbeiten in Deutschland, Frankreich und Kanada an Gymnasien, Grundschulen, Universitären und Erwachseneneinrichtungen. Die Inhaltsanalyse wurde nach Mayring geführt.

Ergebnisse:

Nach Hatties Befunde zu Effekten der Lehrer*innen-Schüler*innen-Beziehung auf Schulleistungen spielen Empathie und Wärme eine wichtige Rolle. Die Lehrer*innen in dieser Studie nehmen die affektive Dimension ihres Berufs sehr unterschiedlich wahr. Sie verbinden sie mit der Qualität des Unterrichtsablaufs aber nicht mit der Motivation oder den Schulleistungen der Schüler*innen. Diese werden allein verantwortlich für die Qualität des Lernens gemacht.

Alle Teilnehmer*innen waren frei in der Gestaltung des Fernunterrichtes im 2020. Alle zweifeln stark daran, dass eine gute affektive Beziehung mit den Schüler*innen im Distanzunterricht gepflegt werden kann.

Zur Präsentation des Projektes: