Forschungsfrage: Wie wird Medienbildung im schulischen Kontext umgesetzt und welche Unterschiede zeigen sich zwischen Grundschulen in Hamburg und einer deutschen Auslandsschule in Istanbul?
Forschungswerkstatt: „Medienbildung und Schulentwicklung. Methoden und Konzepte auf dem Prüfstand“ 2025/26 – Andreas Hedrich
Autor*innen: Zeynep Ak, Zilan Dogan, Bilal Onat
Zusammenfassung: Medienbildung im Spannungsfeld der Realität
Digitale Medien sind aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken. Tablets, Smartboards und Lern-Apps gehören längst zum Klassenzimmer dazu, zumindest in der Theorie. Doch wie sieht es wirklich aus, wenn der Unterricht beginnt? Funktioniert die Technik? Fühlen sich Lehrkräfte sicher im Umgang damit? Und wird das Potenzial digitaler Medien tatsächlich ausgeschöpft?
Genau hier entsteht ein spannendes Spannungsfeld: Während bildungspolitische Konzepte und wissenschaftliche Diskussionen die Chancen digitaler Medien betonen, zeigt der Schulalltag oft ein anderes Bild. Zwischen ambitionierten Ideen und der praktischen Umsetzung liegen nicht selten technische Probleme, fehlende Ressourcen oder organisatorische Hürden. Unser Forschungsprojekt setzt genau an dieser Stelle an. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen von zwei ganz unterschiedlichen Schulen: Einer Grundschule in Hamburg und einer deutschen Auslandsschule in Istanbul. Wie werden digitale Medien dort im Unterricht eingesetzt? Welche Rolle spielt die Medienkompetenz der Lehrkräfte? Und welche Herausforderungen prägen den Alltag?
Durch den Vergleich dieser beiden Standorte wollen wir herausfinden, wo Gemeinsamkeiten liegen und wo sich Unterschiede zeigen. Denn genau dort, zwischen Anspruch und Wirklichkeit, wird sichtbar, wie Medienbildung heute tatsächlich gelebt wird.
Methode: Doch wie sind wir vorgegangen?
Für unsere Untersuchung haben wir 13 Lehrkräfte aus beiden Schulstandorten mithilfe eines Online-Fragebogens befragt. Dabei ging es um den Einsatz digitaler Medien im Unterricht, die eigene Medienkompetenz sowie um Rahmenbedingungen, Chancen und Herausforderungen im Schulalltag.
Die Auswertung erfolgte mit statistischen Methoden (SPSS) und liefert erste Einblicke in die Praxis. Aktuell betrachten wir die Ergebnisse beider Schulen gemeinsam. Im nächsten Schritt rückt der direkte Vergleich zwischen Hamburg und Istanbul in den Fokus.
Ergebnisse:
Die Ergebnisse zeigen eine insgesamt hohe Offenheit gegenüber digitalen Medien bei den befragten Lehrkräften. Digitale Medien werden regelmäßig im Unterricht eingesetzt, insbesondere zur Unterrichtsvorbereitung, zur Präsentation von Inhalten sowie zur Unterstützung von Übungs- und Differenzierungsphasen. Auch die eigene Medienkompetenz wird überwiegend positiv eingeschätzt. Viele Lehrkräfte geben an, sich im technischen Umgang mit digitalen Tools sicher zu fühlen und diese didaktisch sinnvoll einsetzen zu können. Gleichzeitig zeigen sich jedoch Unsicherheiten in spezifischen Bereichen wie Datenschutz, IT-Sicherheit sowie der gezielten Förderung von Schüler*innen mit besonderem Unterstützungsbedarf.
Die technischen Rahmenbedingungen werden insgesamt als ausreichend, jedoch nicht durchgängig zuverlässig beschrieben. Insbesondere technische Probleme, instabile Internetverbindungen sowie begrenzter IT-Support stellen wiederkehrende Herausforderungen dar. Darüber hinaus wird der Zeitfaktor als eine der zentralen Hürden für die Integration digitaler Medien in den Unterricht genannt.
Im Bereich der Schulentwicklung zeigt sich ein heterogenes Bild: Medienbildung wird zwar als wichtig anerkannt, jedoch fehlen teilweise klare Konzepte, verbindliche Strukturen sowie ausreichend Raum für kollegialen Austausch und gemeinsame Weiterentwicklung.
Fazit: Motivation reicht nicht!
Die Ergebnisse zeigen eine klare Lücke zwischen dem Potenzial digitaler Medien und ihrer tatsächlichen Nutzung im Unterricht. Zwar bringen viele Lehrkräfte Offenheit und Motivation mit, doch strukturelle und organisatorische Hürden bremsen die Umsetzung im Schulalltag spürbar aus.
Dabei wird deutlich, dass Medienbildung nicht nur von der Kompetenz einzelner Lehrkräfte abhängt, sondern vor allem von den Rahmenbedingungen, etwa technischer Ausstattung, Support und schulischen Strukturen.
Der Vergleich zwischen Hamburg und Istanbul eröffnet hier spannende Perspektiven: Er kann zeigen, wie unterschiedlich diese Faktoren wirken und was es braucht, damit Medienbildung im Unterricht wirklich gelingt.
Poster:
