Untertitel: Der Einsatz digitaler Medien in der Grundschule

Forschungsfrage: Wie setzen Lehrkräfte an einer Hamburger Grundschule (Anfang 2. Klasse) digitale Medien kooperativ im Mathematikunterricht ein? Welche Gelingensbedingungen, Herausforderungen und Potenziale ergeben sich aus ihrer Sicht beim Einsatz von Bee-Bots im Vergleich zu ihrem bisherigen Mediengebrauch?

Forschungswerkstatt: „Medienbildung im Fachunterricht. Games, Tools und Medienkompetenz“ 2025/26 – Andreas Hedrich

Autor*in: Yasmin Schwarz

Zusammenfassung: Digitale Medien gehören längst zur Lebenswelt von Kindern und damit auch zum Grundschulunterricht. Für den Mathematikunterricht stellt sich dabei nicht nur die Frage, ob digitale Medien eingesetzt werden, sondern vor allem, wie ihr Einsatz fachlich sinnvoll gestaltet werden kann. Vor diesem Hintergrund untersucht diese Forschungsarbeit, wie Lehrkräfte an einer Hamburger Grundschule digitale Medien kooperativ im Mathematikunterricht zu Beginn der zweiten Klasse nutzen und wie sie den Einsatz von Bee-Bots im Vergleich zu ihrem bisherigen Mediengebrauch einschätzen. Im Zentrum stehen dabei die von den Lehrkräften wahrgenommenen Gelingensbedingungen, Herausforderungen und Potenziale. Bee-Bots sind dabei besonders interessant, weil sie als Lernroboter mathematisches, informatisches und problemlösendes Lernen miteinander verbinden können.

Methode: Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt. Grundlage der Untersuchung waren vier leitfadengestützte Interviews mit zwei Grundschullehrkräften einer Hamburger Grundschule. Beide Lehrkräfte wurden jeweils zweimal befragt. Einmal vor und einmal nach einer eigens entwickelten Bee-Bot-Unterrichtseinheit. Diese Unterrichtseinheit wurde von der Verfasserin in beiden Klassen durchgeführt und umfasste jeweils zwei Unterrichtsstunden à 45 Minuten. Die Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und anschließend mit einer inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker in MAXQDA 24 ausgewertet. Das Vorgehen ermöglichte es, Veränderungen in den Einschätzungen der Lehrkräfte vor und nach der konkreten Unterrichtserfahrung systematisch zu erfassen.

Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen zunächst, dass digitale Medien im bisherigen Mathematikunterricht der befragten Lehrkräfte vor allem ergänzend zum analogen Unterricht genutzt wurden. Besonders häufig dienten sie der Visualisierung, Erklärung und Präsentation von Inhalten. Der Bee-Bot wurde dagegen nicht selbstverständlich als digitales Medium eingeordnet, sondern zunächst eher als elektronisches Lernobjekt wahrgenommen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sein Einsatz aus Sicht der Lehrkräfte neue Zugänge zum Mathematikunterricht eröffnet, weil er digitale, handlungsorientierte, kooperative und algorithmische Elemente miteinander verbindet.

Zugleich zeigen die Interviews, dass die Lehrkräfte den Bee-Bot als motivierend und auffordernd wahrnahmen. In der Auswertung und Diskussion dieser Forschungsarbeit wird jedoch deutlich, dass sein didaktisches Potenzial nicht im Material selbst liegt. Es entfaltet sich vielmehr dann, wenn der Einsatz fachlich gerahmt, kooperative Prozesse strukturiert und Denkprozesse gezielt begleitet werden. Als wichtige Gelingensbedingungen nannten die Lehrkräfte vor allem kleine Gruppen, klare Rollen, ausreichend Zeit, eine schrittweise Einführung und eine positive Fehlerkultur. Herausforderungen zeigten sich unter anderem beim Zielverständnis der Kinder, bei der Sicherung und beim Transfer der Denkprozesse sowie bei Unsicherheiten in der didaktischen Einbettung.

Auffällig ist außerdem, dass der Bee-Bot-Einsatz nicht auf Ablehnung stieß. Vielmehr verbanden die Lehrkräfte ihn überwiegend mit Offenheit, Interesse und Bereitschaft zur weiteren Nutzung. Gleichzeitig wurde eine Spannung sichtbar zwischen den curricularen Anforderungen informatisch-algorithmischer Grundbildung und ihrer bisherigen Verankerung im Unterricht.

Fazit: Diese Forschungsarbeit zeigt, dass Bee-Bots im Mathematikunterricht dann sinnvoll eingesetzt werden können, wenn sie nicht als reines Zusatzmaterial verstanden werden, sondern als fachlich begründete Lernumgebung. Die Frage nach digitalen Medien ist damit nicht nur eine Frage der technischen Ausstattung, sondern vor allem eine Frage der didaktischen Einordnung und unterrichtlichen Gestaltung. Für Schule und Lehrerbildung bedeutet das, dass Lehrkräfte konkrete Gelegenheiten brauchen, digitale und informatisch geprägte Lernsettings zu erproben, gemeinsam zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Der Beitrag der Untersuchung liegt daher weniger in einem allgemeinen Wirksamkeitsnachweis als in der Rekonstruktion der Lehrkräfteperspektive auf den Einsatz von Bee-Bots im Grundschulunterricht.

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