Wahrnehmungen, Gelingensbedingungen und Praxisformen aus der Sicht von Sportlehrkräften

Forschungsfrage: Wie nehmen Sportlehrkräfte die Leitperspektive „Leben und Lernen in einer digital geprägten Welt“ im Fach Sport wahr, welche digitalen Medien setzen sie im Unterricht ein, und unter welchen Bedingungen werden diese als hilfreich, motivierend oder hinderlich erlebt?

Forschungswerkstatt: „Medienbildung im Fachunterricht. Games, Tools und Medienkompetenz“ 2025/26 – Andreas Hedrich

Autor*innen: Ole Goroncy und Daniel Karstens

Zusammenfassung:

Digitale Medien sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Lebenswelt von Schülerinnen sowohl im Privaten als auch im Sport. Deswegen sollen sie laut Bildungsplan auch fest in den Unterricht integriert werden.

Die Literatur unterstützt dieses Unterfangen. Sie zeigt, dass digitale Medien den Sportunterricht durchaus positiv bereichern können. Besonders in den Bereichen Feedback, Visualisierung und Analyse sollen sie einen Mehrwert bieten. Dabei sieht die Forschung als zentralste Gelingensbedingung die Kompetenz der Lehrkraft und die gegebenen schulischen Bedingungen.

Genau an diesem Punkt setzt unsere Untersuchung an. Die zentrale Fragestellung beschäftigt sich mit der Wahrnehmung von digitalen Medien durch Sportlehrkräfte im Fach Sport, wofür sie diese nutzen und welche Chancen, Grenzen und Voraussetzungen sie dabei erkennen.

Methode:

Die Studie verfolgt ein qualitatives, exploratives Forschungsdesign. Hierfür wurden mit Sportlehrkräften einer Hamburger Stadtteilschule vier leitfadengestützte Einzelinterviews geführt. Die Interviews sind zunächst aufgezeichnet und daraufhin anonymisiert transkribiert worden. Ihre Auswertung erfolgte dann mit einer strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring. Dabei fokussierte sich die Analyse fokussierte inhaltlich auf vier zentrale Aspekte: die Wahrnehmung der Leitperspektive, die digitale Praxis im Sportunterricht, Motivation und Teilhabe sowie strukturelle und professionelle Rahmenbedingungen.

Ergebnisse:

Die Ergebnisse zeigen, dass die Leitperspektive als offizieller Begriff im Fach Sport oft nur eingeschränkt bekannt ist. Ihre inhaltliche Ausrichtung wird jedoch von den Lehrkräften durchaus erkannt. Sie verordnen die digitale Ausrichtung des Sportunterrichtes vor allem in die Bereiche Bewegungsanalyse, Medienkritik und Lebensweltbezug. Dabei wenden sie digitale Medien vor allem für Planung, Visualisierung, Recherche und punktuelles Feedback an. In der Sporthalle selbst bleibt der Einsatz punktuell und gering ausgeprägt. Die motivationalen Effekte von digitalem Sportunterricht werden gering positiv eingeschätzt. Die Lehrkräfte begründen diese Vorsicht mit kontextabhängigen Variablen, wie der Lerngruppe, der Aufgabenstellung und der allgemeinen didaktischen Gestaltung. Als wichtigste Gelingensbedingungen nennen die Lehrkräfte vor allem verlässliches WLAN, geeignete Geräte, hallenspezifische Ausstattung, Fortbildungsangebote und klare Regeln. Insgesamt deutet die Studie darauf hin, dass der Mehrwert digitaler Medien im Sportunterricht weniger an der Technik selbst hängt als an ihrer didaktisch sinnvollen Einbettung und an den konkreten schulischen Rahmenbedingungen.