Eine qualitative Interviewstudie zur Nutzung und Wirkung von Teachfluencer:innen-Inhalten im Unterricht

Forschungsfrage: Inwiefern beeinflussen Inhalte von Teachfluencer:innen den schulischen Unterricht von Lehrkräften?

Forschungswerkstatt: „Medienbildung und Schulentwicklung. Methoden und Konzepte auf dem Prüfstand“ 2025/26 – Andreas Hedrich

Autor*innen: Jacqueline Ahlgrimm, Kerstin Bayburt, Iljana Gerlitzki, Nele Stobbe 

Zusammenfassung: In den vergangenen Jahren ist eine zunehmende Verbreitung pädagogischer und schulbezogener Inhalte in sozialen Medien zu beobachten. In diesem Zusammenhang treten immer häufiger Teachfluencer:innen als neue Medienfiguren auf. Hierbei handelt es sich um Lehrkräfte und andere Personen aus dem Bildungssektor, die auf sozialen Medien ihren Alltag, Unterrichtsideen und Methoden veröffentlichen. Der Einfluss von Teachfluencer:innen auf die Unterrichtspraxis ist bisher allerdings nur unzureichend erforscht. Deshalb haben wir uns für diese Forschung  die Frage gestellt, inwiefern Inhalte von Teachfluencer:innen den schulischen Unterricht von Lehrkräften beeinflussen.

Methode: Im Rahmen unserer Forschung, mit einem qualitativen Forschungsansatz, haben wir im Herbst 2025 sechs Lehrkräfte mit abgeschlossener Lehramtsausbildung zu ihrer Nutzung und Wahrnehmung von Teachfluencer:innen-Inhalten sowie zu möglichen Auswirkungen auf ihren Arbeitsalltag und ihre Unterrichtspraxis befragt. Hierfür führten wir narrative Einzelinterviews, welche mit Hilfe der Software MAXQDA transkribiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2018) ausgewertet wurden. Ziel war es, durch offene Fragen die lebensweltlichen Erfahrungen der Befragten in ihrem Kontext zu verstehen, anstatt diese auf vorab festgelegte Kategorien zu reduzieren. Auf Grundlage der Interviews entwickelten wir anschließend induktiv Kategorien, welche systematisch und regelgeleitet sortiert und analysiert wurden.

Ergebnisse: Die befragten Lehrkräfte zeigen insgesamt eine offene Haltung gegenüber Teachfluencer:innen, da deren Inhalte als niedrigschwellige Inspirationsquelle für den eigenen Unterricht wahrgenommen werden. Besonders betont werden dabei ansprechend gestaltete Materialien sowie konkrete methodische Anregungen. Die Nutzung lässt sich hierbei vor allem den drei Bereichen der didaktisch-methodischen, praktisch-organisatorischen und professionell-reflexiven Ebene zuordnen. Gleichzeitig reflektieren die interviewten Lehrkräfte kritisch die Intentionen, Inszenierung und Kommerzialisierung der Medienfiguren.

Wenn es zur Übernahme von Inhalten kommt, erfolgt diese nicht unreflektiert, sondern in einem Anpassungsprozess an die jeweilige Lerngruppe, den eigenen Unterrichtsstil und die organisatorischen Rahmenbedingungen. Insgesamt zeigt sich, dass insbesondere die praktische Umsetzbarkeit sowie die persönliche professionelle Überzeugung entscheidend für die Übernahme der Inhalte in den eigenen Unterricht ist.

Fazit: Der Einfluss von Teachfluencer:innen auf den Unterricht erfolgt scheinbar nicht unmittelbar, sondern über Impulse, die von Lehrkräften kritisch geprüft, reflektiert und an den eigenen Unterricht angepasst werden. Teachfluencer:innen fungieren damit vor allem als Inspirationsquelle für Materialien und Methoden.